**** Die französische Sängerin Isabelle Geffroy mit dem Künstlernamen Zaz ist aus rein künstlerischer Sicht auf jeden Fall eine Bereicherung für dieses wie ich finde doch sehr maue Musikjahr 2011. Der Gesang ist technisch sehr gut und hat dabei eine angenehm dunkle Ausprägung, die ihrer Stimme doch einen außergewöhnlichen Touch verleiht. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Pop, Chanson (sofern man hier unterscheiden möchte) und Jazz. Damit ist sie neben der Holländerin Caro Emerald schon die zweite Newcomerin (zumindest bei Betrachtung der deutschen Veröffentlichung), die mit sehr jazziger Ausprägung in die deutschen Top 10 gelangte.
Warum das Album dennoch eine nicht allzu hohe Bewertung bei mir bekommt, beantwortet sich durch den Großteil der Songs. Diese kann man handwerklich so gut wie nie kritisieren, aber für mich schwingt bei der Musik doch immer mit, dass ich begeistert werden möchte. Dies kann durch eingängige Melodien, intelligente Texte (kann ich in diesem Fall leider nicht bewerten), die Entdeckung neuer bzw. abgewandelter Musikstile, knackige Refrains oder zutiefst berührende Balladen sein. Und dieses Gefühl blieb bei Zaz zumindest hier noch aus. Ihre Musik ist eher etwas für den kleineren Rahmen, deshalb vermutlich vor allem in den Single-Charts auch wenig hitverdächtig. Man hört es nebenher und entspannt, aber es gibt eben wenig, was sofort im Kopf bleibt. Und dies ist die emotionale Seite der Musik, die mir hier noch etwas abgeht. Eine Ausnahme muss ich machen: "Port coton" ist für mich wirklich große Kunst, das berührt mich und ich hoffe, man zeigt Mut und koppelt diesen Titel aus. Leider ist bei dem Titel die Gefahr jedoch sehr groß, dass er bei der Masse untergeht.
Aber all das muss keineswegs etwas Negatives bedeuten, denn ähnliche Probleme hatte ich auch mit Adeles Album "19". Auch dieses war künstlerisch kaum anzuprangern, die meisten Songs fluppten aber eher so durch. Adele hat in diesem Jahr den richtigen Mittelweg zwischen dem Festhalten ihrer musikalischen Ideale und der Erfüllung des Wunsches vieler Menschen nach "Besonderem" gefunden und erschuf in jeder Hinsicht tolle Songs wie "Rolling in the deep", "Set fire to the rain", "Someone like you" oder "Rumour has it". Dafür wird der Britin auch zurecht in diesem Jahr große mediale Aufmerksamkeit zuteil. Zaz ist zehn Jahre älter als Adele, aber im Mainstream erst seit 2010 beheimatet. In Frankreich schoss ihr Album auf Platz 1 und blieb dort knackige neun Wochen, ihre Single "Je veux" kam trotzdem nur auf Position 34. Ich würde es Zaz wünschen, dass sie eine ähnliche Entwicklung wie Adele wird nehmen können und den Spagat zwischen Kunst und Mainstream schafft. Ihr erstes Album bleibt gute Nachtmusik, aber meist leider eben noch nicht mehr. |